Wenige Sekunden nachdem Jamal Musiala im Spiel gegen RB Leipzig das 3:1 für Bayern München erzielt hat, beginnt er zu schwanken. Die Bilder zeigen anschließend den 23-jährigen Angreifer benommen und unfähig, aufrecht zu stehen, bevor er auf dem Rasen der Allianz Arena zusammenbricht. Ismael Saibari, sein neuer Teamkollege, ist der Erste, der ihn auffängt. Das medizinische Team übernimmt. Der Vorfall, der sich am 15. August bei einem Vorbereitungsspiel ereignete, wirft Fragen auf, die weit über den Fall Musiala hinausgehen.
Die Diagnose: Hitze, Schwindel und Kreislaufprobleme
Laut von Sport1 veröffentlichten und von mehreren deutschen Medien aufgegriffenen Informationen soll Musiala unter vorübergehendem Schwindel und Kreislaufproblemen gelitten haben, die direkt mit der Hitze in der Münchner Arena zusammenhingen. Während des Spiels zeigte das Thermometer in der Allianz Arena zwischen 33 und 34 Grad an – außergewöhnliche Bedingungen für einen August, der in die seit mehreren Wochen andauernde Hitzewelle in Mitteleuropa fällt.
Die genaue Gutartigkeit der Beschwerden nimmt der Sorge nicht den Grund. Musiala hatte nach seiner schweren Verletzung an Knöchel und Wadenbein im Viertelfinale der Klub-Weltmeisterschaft 2025 gegen PSG bereits ein schwieriges Jahr erlebt. Diese Verletzung hatte ihn mehrere Monate vom Spielbetrieb ferngehalten. Jedes Bild des Deutschen, der auf dem Rasen liegt, löst sofort neue Sorgen aus – Sorgen, die sein Verein mit seiner schrittweisen Rückkehr auf den Platz eigentlich begraben gehofft hatte.
Was dieser Vorfall über Fußball und Hitzewellen zeigt
Der Fall Musiala ist kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren häuften sich im europäischen Fußball Situationen, in denen Spieler von extremen Wetterbedingungen betroffen waren – insbesondere bei Spielen im Juli oder August in überdachten oder teilweise überdachten Stadien, in denen sich die Hitze staut.
Die Antwort der Sportwissenschaft: Was passiert im Körper?
Intensive körperliche Belastung bei großer Hitze führt zu einem Wettbewerb um die Blutversorgung zwischen den aktiven Muskeln und dem Thermoregulationssystem. Der Körper muss gleichzeitig sauerstoffreiches Blut zu den arbeitenden Muskeln transportieren und Blut zur Haut leiten, damit Schweißbildung und Kühlung möglich sind. Wenn die Hitze zu groß ist, führt diese doppelte Belastung zu einer vorübergehenden zerebralen Hypoperfusion, also einer kurzzeitigen Verringerung des Blutflusses zum Gehirn. Diese Verringerung verursacht Schwindel, Desorientierung und in den schwersten Fällen Bewusstlosigkeit.
Bei einem Spitzensportler wie Musiala ist der Körper normalerweise äußerst gut an dieses Gleichgewicht angepasst. Doch mehrere Faktoren können diese Anpassung beeinträchtigen: eine unzureichende Akklimatisierung an die Hitze (der Spieler hatte die Weltmeisterschaft unter anderen klimatischen Bedingungen absolviert), eine vor dem Spiel leicht unzureichende Flüssigkeitszufuhr oder einfach eine individuelle Schwankung der Hitzeempfindlichkeit, die selbst die besten Athleten nicht immer vorhersehen können.
Der Kontext des FC Bayern und die Folgen für Musiala
Abgesehen vom medizinischen Aspekt ereignete sich der Vorfall am Samstag zu einem entscheidenden Zeitpunkt für den FC Bayern München und Musiala selbst. Der von Kompany trainierte Verein bereitet sich auf den deutschen Supercup gegen Borussia Dortmund am kommenden Wochenende vor, bevor die Bundesliga ab dem 22. August wieder beginnt. Konrad Laimer, der in diesem selben Spiel nach einem Tackling von David Raum bereits in der 8. Minute mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden musste, macht die Situation für das Trainerteam noch angespannter.
Für Musiala geht es um mehr als nur ein Vorbereitungsspiel. Nach seiner langen und schwierigen Rehabilitation infolge des im Juli 2025 erlittenen Wadenbeinbruchs sollte dieses Comeback den Ausgangspunkt für eine große Saison bilden. Die beruhigenden Untersuchungen und die Prognose von lediglich einigen Tagen Pause lassen hoffen, dass er für den Supercup zur Verfügung stehen wird. Doch dieser Vorfall erinnert daran, dass der Körper eines Profifußballers selbst auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit niemals vollständig vor Unfällen geschützt ist, die durch die Umgebung verursacht werden können.
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